Wirtschaftsrat und Wirtschaftsförderer sprechen über Flächenpolitik

Bremen-Nord
Andreas Heyer sieht die wirtschaftliche Entwicklung in Bremen-Nord im Aufwind. „In den vergangenen acht Jahren ist am Standort einiges passiert“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) und nennt Zahlen. 31 Hektar Gewerbefläche seien in der Zeit vermarktet, 1700 Arbeitsplätze zwischen Burglesum und Farge gesichert und 300 neue Jobs geschaffen worden. „Unternehmen haben mit Investitionszusagen von insgesamt rund 100 Millionen Euro ein klares Bekenntnis zum Standort Bremen-Nord abgegeben.“
Heyer spricht an diesem Montagabend in der „Strandlust“ in Vegesack vor Mitgliedern des Wirtschafts- und Strukturrates (WIR) Bremen-Nord. Beim WIR sieht man die Entwicklung in Bremen-Nord nicht ganz so euphorisch wie der WFB-Vertreter. „Zurückhaltend positiv“, so wird der Vorsitzende Rainer Küchen später in der Mitgliederversammlung in seinem Jahresbericht die Situation des Standorts beschreiben. Auf  Strukturprobleme und die Arbeitslosenquoteverweisen, die mit über zwölf Prozent noch immer höher liege als in Bremen und im Rest der Republik. Küchen wird die Erschließung neuer Gewerbeflächen fordern, um neue Unternehmen und damit Arbeitsplätze nach Bremen-Nord zu holen.

19 Hektar im Industriepark frei

Dass Bremens Norden nach wie vor schwer trägt an der Last von Tausenden Arbeitsplätzen, die in den vergangenen Jahren weggebrochen sind, verhehlt auch Heyer nicht. Der WFB-Geschäftsführer sieht aber die positiven Veränderungen, die er am Beispiel von drei Gewerbefläche-Standorten festmacht. Erstes Beispiel: der Bremer Industriepark in Burglesum, 140 Hektar groß. 40 Hektar sind noch zu haben, sagt Heyer. „Davon sind 21 bereits reserviert für Unternehmen, die innerhalb Bremens wachsen wollen. Von den restlichen 19 Hektar sind elf fertig erschlossen.“

Zweites Beispiel: die Gewerbeflächen auf dem Gelände der früheren Bremer Woll-Kämmerei in Blumenthal. Vor acht Jahren sei der Standort noch kritisch gesehen worden, sagt Heyer. Heute sind nach seinen Angaben 26 von 32 Hektar vermarktet. Vor allem mittelständische Unternehmen, auch aus dem niedersächsischen Umland, hätten sich angesiedelt. Die WFB sieht „eine gute Perspektive“, nach und nach die restlichen sechs Hektar mit Gewerbe zu füllen und damit Jobs vor Ort zu schaffen.

Denn das sei das Ziel: „Wir müssen dafür sorgen, dass auf den Gewerbeflächen

auch Arbeitsplätze entstehen.“ Drittes Beispiel: das Gewerbegebiet am Steindamm in Burglesum. „Von 25 Hektar sind 1,3 noch verfügbar.“ Eine Erweiterung des Standortes um zwei weitere Hektar sei möglich. Die Nordbremer Beispiele weisen zugleich auf eine Entwicklung hin, mit der sich die Wirtschaftsförderung bremenweit konfrontiert sieht: Der Stadt gehen allmählich die Gewerbeflächen aus. „Wir brauchen in Bremen mehr Gewerbeflächen“, sagt Heyer. Ganz schlecht bestellt ist es nach seinen  Worten um größere Grundstücke von zwölf bis 15 Hektar. „Erschließbare Gewerbeflächen  in dieser Größe stehen im gesamten Stadtgebiet derzeit nicht zur Verfügung.“ Für großflächige Firmenansiedlungen mit Tausenden von neuen Arbeitsplätzen fehle in Bremen schlicht der Platz. Lösen könne das Problem nur die Politik. Bremen will wachsen. Dafür braucht die Stadt laut Heyer beides: mehr Platz zum Wohnen aber auch zum Arbeiten. In der anschließenden Diskussion warnte Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt davor, Gewerbeflächen leichtfertig in Wohnbauflächen umzuwandeln. Sein Burglesumer Kollege Florian Boehlke hakte zur Entwicklung der Optionsfläche im Bremer Industriepark nach. Auf dem Gelände stehen derzeit Windräder. Die Wirtschaftsförderung habe eine Bauvoranfrage gestellt, um zu klären,  inwieweit die Anlagen einer gewerblichen Nutzung im Weg stehen, so Heyer. Eine Antwort stehe noch  aus. Kritik an der Arbeit der WFB musste sich der Geschäftsführer von einigen Firmenvertretern anhören. Der Anspruch, Kümmerer für Unternehmen zu sein, lasse in der Praxis zu wünschen übrig, hieß es. Einer kritisierte, dass die WFB ihm erst nach Monaten den Kaufpreis für eine Fläche nennen konnte. Die Wirtschaftsförderer seien gehalten, eine Wertermittlung von Geoinformation als Grundlage für den Verkauf einer Fläche einzuholen, erläuterte Heyer. Mehr Service hätte sich der Gründer eines Startup-Unternehmens bei der Standortsuche für sein neues Unternehmen von den Bremer Wirtschaftsförderern gewünscht. Stattdessen sei er bei seiner Anfrage auf die Internet-Seite verwiesen worden. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich jemand um mich als Unternehmer kümmert.“ Ganz andere Erfahrungen habe er bei der Wirtschaftsförderung im Landkreis Osterholz gemacht. „Dort wurde sofort ein Termin zusammen mit dem Investor vereinbart.“ Heute ist das Jung-Unternehmen in Ritterhude ansässig.
Quelle: „Die Norddeutsche“