Diskussion über die Situation im Stadtteil Blumenthal in der Strandlust

Welche Perspektiven und Handlungserfordernisse gibt es für Blumenthal, wo liegen die Stärken und die Schwächend des Stadtteils? Dieser Frage wurde jüngst in der Strandlust Vegesack nachgegangen.Dorthin hatten der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) und die Handelskammer Bremen eingeladen. Dr. Guido Nischwitz vom Instituts für Arbeit und Wissenschaft leitete den Abend mit einem Impulsvortrag und einer Studie über Bremen-Nord und insbesondere über Blumenthal ein.

Mit dem erneuten Vorschlag, eine externe Entwicklungsagentur einzurichten, stieß er auf wenig Zustimmung. Bremen-Nord sei insgesamt wieder auf rund 100 000 Einwohner gewachsen, führte der Fachmann aus. Für die Ortsteile Lüssum, Blumenthal und Rönnebeck machte er einen besonderen Trend aus: Dort sei seit einiger Zeit vermehrt die Abwanderung von Deutschen und die Zuwanderung aus dem Ausland zu verzeichnen. Außerdem sei die Kinderarmut im Ortsteil Blumenthal mit rund 44 Prozent im Vergleich zum Bremer Durchschnitt von 33,6 Prozent besonders hoch. Eine Erkenntnis von Guido Nischwitz, die an jenem Abend von vielen weiteren Rednern wiederholt wurde: Es herrsche in Bremen-Nord kein Mangel an Kompetenz und Ideen und ein Erkenntnisdefizit gäbe es auch nicht. Allerdings seien in der Vergangenheit viele Schlüsselprojekte gescheitert. Auf dem Podium diskutierten Martin Prange, Senatsbeauftragter für Bremen-Nord, Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack, Stadtplaner Rainer Imholze aus dem Hause des Verkehrssenators und Unternehmenspreisträger Dennis Witthus über die dargebotenen Zahlen. Peter Nowack ärgerte sich darüber, dass die Abwanderung ins Umland lange tatenlos akzeptiert worden sei. Außerdem beklagte er: „Der Zustand des Zentrums ist für die Menschen eine Tragödie!“ Ihm sei unter anderem daran gelegen, das alte Rathaus wieder mit Leben zu füllen. Dazu wünsche er sich einen Marktplatz, der „Sinn macht“. Martin Prange sprach das Betreuungsproblem insbesondere in Blumenthal an. Vier der in Bremen geplanten acht Ganztagsschulen würden bis 2020 in Bremen-Nord entstehen und das ist auch gut so. Ferner sprach er vom wachsenden Blumenthal und davon, dass kein anderer Bremer Stadtteil so „dynamisch“ sei. Dennis Witthus äußerte Wünsche nach einer Entwicklung des Blumenthaler Zentrums und zusätzlichen Arbeitsplätzen. Außerdem erklärte er, sich das Wachstum des Stadtteils nicht nur durch Auslandsmigranten zu wünschen. Er lobte die Initiative Alt-Blumenthal, die sich ums alte Zentrum kümmere. Dennoch halte er die Situation für zurzeit so schlecht, dass kaum jemand investieren werde, so Dennis Witthus weiter. Rainer Imholze musste einräumen, dass man schon vor rund 15 Jahren festgestellt habe, „dass wir mit dem Stadtteil Blumenthal irgendwann ein Problem bekommen.“ Allerdings verwehrte er sich dagegen, alleine die Politik habe versagt. „Auch andere haben Verantwortung“, befand er und verwies unter anderem auf die Immobilieneigentümer im alten Zentrum. Auch der Erfolg der Geschäfte im so genannten Müllerloch an der Weserstrandstraße habe dazu beigetragen, dass das Zentrum weniger frequentiert sei. Ein weiteres großes Problem seien fehlende Investitionsmöglichkeiten, so der Stadtplaner weiter.

Quelle: Das BLV - Antje Spitzner