Acht Arbeitskreismitglieder des WIR haben in den vergangenen Monaten intensiv über die Thematik und die vorhandenen Strukturen der Unternehmensnachfolge diskutiert. „Wir möchten den Übergebern helfen, in die Überlegungen und in die damit verbundenen Schritte hineinzukommen“, sagt Arbeitskreismitglied Falk Witte. Unternehmer, die den Sprung in ihre eigenen Nachfolgeaktivitäten verpassten, könnten im hohen Alter ihr Unternehmen oftmals einfach nur noch abschließen. Schlimm, wenn dann auch noch Arbeitsplätze verloren gingen.
„Wichtig ist es, rechtzeitig zu beginnen. Es braucht Zeit, einen guten Nachfolger zu finden und diesen gezielt einzuarbeiten“, weiß Unternehmensberater Falk Witte aus langjähriger Tätigkeit. Er empfiehlt den Übergebern, offen und flexibel zu sein, um den Übernehmern ihr Wissen und ihre Erfahrung weitergeben zu können. „Der Übergeber sollte also noch einige Zeit lang unterstützend im Unternehmen verbleiben.“
Ein weiterer Aspekt ist laut Witte die sogenannte Übergabefähigkeit, die der Lehrbeauftragte an der Hochschule Bremen und Dozent an der Hanseatischen Verwaltungsakademie (VWA) wie folgt beschreibt: „Das Unternehmen sollte aus einer gesunden Ertragssituation heraus kommen, damit der Nachfolger sich höhere Kosten für das Kaufdarlehen oder die Miete für die Räumlichkeiten des Übergebers leisten kann. Gleichzeitig ist auch zu erwarten, dass Umsatz und Ertrag erst einmal zurückgehen, da der Übernehmer erst einmal lernen muss, das Unternehmen selber mit seinen einzelnen Anforderungen zu führen.“ Unabhängig davon sei es wichtig, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen, Fachleute zu befragen, wie ein solcher Prozess ablaufen kann und sich zudem zu informieren, welche Förderprogramme oder Bremer Förderbanken zur Verfügung stehen.
Förderprogramme für Existenzgründer gibt es nach Auskunft von Jens Hinrichs, Kreditberater bei der Volksbank Bremen-Nord, in der Hansestadt durch die Bremer Aufbaubank, die zinsgünstige Mittel zur Verfügung stellen kann. Bei fehlenden Sicherheiten würde die Bürgschaftsbank in Bremen mit eingebunden werden. Die Bank sorgte für entsprechende Kontakte.
Aber warum fällt es Unternehmern oft so schwer, ihre Firma abzugeben? „Das ist für viele Unternehmer wie Sterben, als ob man sein Kind gehen lassen muss. Eine für die Firmeninhaber emotional ganz schwierige Situation“, weiß Jens Hinrichs aus beruflicher Erfahrung. Etwa fünf bis sechs Mal im Jahr ist die Volksbank mit der Beratung und Begleitung einer Unternehmensübergabe betraut. Der Nachfolger käme im Gegensatz zu früher heute häufig nicht mehr aus der eigenen Familie, sondern von außen. „Das nimmt zu“, so Hinrichs. Und nicht immer sei es einfach, den geeigneten Kandidaten zu finden. Umso wichtiger sei es deshalb, frühestmöglich mit dem Prozess der Übergabe, der von der ersten Idee bis zur vollständigen Abwicklung zwei bis drei Jahre dauern könne, anzufangen. „Ab einem Alter von etwa 55 Jahren sollten Unternehmer einen Plan haben, wie es weitergehen soll“, rät der Bankenmitarbeiter.
Wie ein solcher Plan aussehen könnte, auch darüber will die WIR-Veranstaltung am heutigen Donnerstag informieren. Als Grundlage des Abends erhalten die Teilnehmer eine vom WIR-Arbeitskreis erarbeitete Checkliste, die aufzeigen soll, worin die nächsten Schritte im Nachfolgeprozess liegen können. Fragen, wie ein geeigneter Übernehmer gefunden werden kann, welcher Kaufpreis realistisch erscheint und gleichzeitig für den Übernehmer finanzierbar ist und weitere werden thematisiert. Doris Friedrichs