Die Jury bescheinigte der Firma „Aufbruchcharakter“. (Quelle: Weser-Report/SONJA NIEMANN) 

Die BWK Chemiefaser ist so etwas wie das gallische Dorf der Bremer Wollkämmerei. Während das ehemalige Mutterunternehmen nämlich 2009 die Produktion einstellte, laufen bei seiner Tochter nach wie vor die Maschinen. Im Sommer 2010 übernahmen die bis dato angestellten Geschäftsführer Matthias Mantwill und Gerhard Müller das Unternehmen. „Wir haben das aus voller Überzeugung gemacht“, sagt Mantwill. Dabei war die Situation ernst: Das Unternehmen hatte im Vorjahr als Folge der Wirtschaftskrise miese Umsatzzahlen eingefahren.

Mantwill und Müller glaubten dennoch daran, dass sich der Markt erholt, bekamen Unterstützung von der Unternehmensbeteiligungsgesellschaft der Sparkasse Bremen, nwu nordwest, und „adoptierten“ die BWK-Tochter. 50 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen heute. Ihre Arbeit: In den Produktionshallen auf dem ehemaligen BWK-Gelände veredeln sie Chemiefasern. Aus angelieferten Rohstoffen wie Polyamid, Polyester und Acryl fertigt das Blumenthaler Unternehmen sogenannte Chemiefaser-TOPS,  ein Vorprodukt, aus dem die Kunden des Blumenthaler Unternehmens– in der Regel Spinnereien –Garne herstellen. In erster Linie geht es beim Arbeitsprozess darum, die Fasern zu kämmen und so zu parallelisieren. Nur in dieser Form können sie dann von den Kunden weiterverarbeitet werden– zunächst zu Garnen und später zu Kleidungsstücken, Heimtextilien oder auch Autositzbezügen. Rund 6.500 Tonnen dieser Faserbänderverlassen jährlich das Bremer Werk. Das entspricht etwa220 vollbeladenen Lkw. Gut 80Prozent der Ware verkaufen die Blumenthaler innerhalb Europas, insbesondere in die Türkei. Der Rest wird weltweit abgesetzt. Der Jahresumsatz hat sich inzwischen bei rund 25 Millionen Euro eingependelt.„Unsere Lieferanten sind Chemieunternehmen. BWK-Chemiefaser ist keins, sondern ein Textilunternehmen“, stellt Geschäftsführer Mantwill klar. Der Name sei nicht glücklich gewählt und habe bei Branchenfremden, zum  Beispiel bei Lokalpolitikern, in der Vergangenheit schon mehrfach für Misstrauen gesorgt, sagt Mantwill.„Wenn man sich anguckt, welche tiefen Täler das Thema Wolle in Blumenthal durchschritten hat, hat BWK-Chemiefaser eine hohesymbolische Bedeutung“, führte Jury-Mitglied Jörg Kastendiek aus. Außerdem erfülle der Betrieb ein Hauptvergabekriterium der Auszeichnung.„Dieses Unternehmen steht für Aufbruchstimmung in Bremen-Nord.“