29. Dialog-Forum mit lebhafter Diskussion
Moderator Bernhard Wies vom WIR (stehend) führte durch die Veranstaltung mit den Podiumsgästen Thorsten Nagel, Dr. Andreas Otto, Maximilian Donaubauer und Dr. Dirk Kühling (von links).Trotz aller Bestrebungen der Politik steht Bremen-Nord weiterhin vor gravierenden strukturellen Herausforderungen: Die Stadt- und Ortsteile entwickeln sich höchst unterschiedlich, die Zahl der Arbeitsplätze ist niedrig und die Ansiedlung neuer Unternehmen bleibt ein schwieriges Unterfangen. Vor diesem Hintergrund befasste sich das 29. Dialog-Forum von Handelskammer und WIR am 19. März in der Strandlust mit den aktuellen Perspektiven Bremen-Nords als Wohn- und Arbeitsort.
In Bremen-Nord leben derzeit ca. 96.000 Menschen. 1995 waren es noch fast 105.000 (-8 Prozent). Insbesondere die Zahl der jüngeren Frauen und Männer zwischen 15 und 45 Jahren ist stark zurückgegangen (-22 Prozent).

Die Zahl der Arbeitsplätze im Bremer Norden ist signifikant niedrig und die Arbeitslosigkeit mit 12 Prozent relativ hoch.
Der Besatz an Gewerbe- und Industrieflächen ist unterdurchschnittlich. Das sind einige der Zahlen und Fakten aus dem Impuls-Vortrag von Olaf Orb (Handelskammer), mit dem das Dialog-Forum eröffnet wurde.
Dirk Kühling vom Wirtschaftsressort stellte die verschiedenen Projekte vor, die dazu beitragen sollen, dass der inzwischen gestoppte Negativtrend bei den Arbeitsplätzen künftig in seiner positiven Entwicklung gestärkt werden soll. Die Millionen-Investitionen in das BWK-Gelände und die dortigen ersten Ansiedlungserfolge wurden von ihm ebenso erwähnt, wie das gesundheitswirtschaftliche Projekt Lesum-Park und die positive Entwicklung beim Science Center mit dem Investor Residenz-Gruppe. Außerdem verwies Kühling auf die Marketingmaßnahmen der letzten Monate, die zu einem besseren Standort-Image beitragen sollen.
Für Andreas Otto von der Handelskammer Bremen gibt es „Chancen und Entwicklungstendenzen, die Mut machen“. Dazu gehören für ihn die 25 Millionen Euro, die Wirtschaftsförderung und Stadt in Erschließungsmaßnahmen nördlich der Lesum gesteckt haben. Dennoch sei der Weg bis zu einer nachhaltig positiven Entwicklung der Region lang und nach wie vor fehlt aus Sicht der Handelskammer ein gesamtstrategischer Rahmenplan beziehungsweise ein Strukturkonzept explizit für Bremen-Nord.
Der Moderator der Veranstaltung, Bernhard Wies vom WIR, ergänzte dazu, dass der Wirtschaftsrat ebenfalls die Erstellung eines Gesamtkonzeptes für die Standortentwicklung Bremen-Nord fordert. Ziel müsse es sein, den Bremer Norden im Standort-Wettbewerb um ansiedlungswillige Betriebe, um Touristen, um Neubürger oder um Kaufkraft für die Geschäfte der Region erfolgreicher als bisher zu positionieren.
„Qualifiziertes Schrumpfen“
Bauamtsleiter Maximilian Donaubauer ging auf die Neubauentwicklung ein und verwies gleichzeitig auf Maßnahmen zum Schutz der Wohnsituation durch Ausweis einer „Grün-Schraffur“  in den Plänen. Der Anteil der im vergangenen Jahr durch das Bauamt Bremen-Nord zu bearbeitenden Neubauten mache immerhin 16% Anteil an den gesamten Genehmigungen in Bremen aus. Unter Hinweis auf den Bevölkerungsrückgang und die demografische Entwicklung meldete Donaubauer Zweifel an, ob sich dies durch den Zuzug junger Familien ausgleichen lasse und sprach sich eher für ein „qualifiziertes Schrumpfen“ und ein Nachdenken über neue Konzepte aus.
Die Diskussionsbeiträge aus dem Kreis der rd. 80 Veranstaltungsbesucher zeigten, dass ein solches Schrumpfen keine Mehrheit unter den Zuhörern fand. Olaf Mosel verwies als Vertreter der Bauwirtschaft darauf, dass es durchaus ein beachtliches Nachfragepotenzial im Neubaubereich für verschiedene Gebiete im Bremer Norden gebe. Kritische Wortbeiträge zeigten auf, dass für junge Leute und Familien mehr getan werden müsse. Während der Norden zunehmend überaltere, wandern Jüngere nach Schwanewede ab. „Sorgt dafür, dass wir Menschen kriegen und Arbeitsplätze schaffen“, brachte es Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack auf den Punkt.
Nachdenklich machten die Ausführungen eines Investors über seine Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Bremer Behörden bei Investitionsprojekten. Es dauere  sehr lange, sei umständlich mit mehreren Ansprechpartnern und mache es sehr schwer, in angemessener Zeit die notwendige Planungssicherheit zu erreichen. Dirk Kühling vom Wirtschaftsressort gab zu, dass es in der vereinfachten Bearbeitung „aus einer Hand“ und der Beschleunigung der Bearbeitungsprozesse seitens der Stadt „noch Luft nach oben gibt“.
Positive Resonanz fand die Vorstellung des gesundheitswirtschaftlichen Projektes Lesum-Park durch Thorsten Nagel von der PROCON-Gruppe. Nagel führte u.a. aus, dass die Quote der in der Gesundheitswirtschaft Tätigen mit 21.3 Prozent in Bremen-Nord sehr hoch sei. In Bremen läge sie insgesamt bei 11,2 Prozent.
Die erfreuliche Besucherzahl und die rege Diskussion zeigten erneut, dass Handelskammer und WIR mit Ihrer Themenwahl für die Dialog-Foren Bremen-Nord richtig liegen.