WIR fordert Gesamtkonzept für die Entwicklung der Region / Impulse für den Arbeitsmarkt und den Wohnungsbau besonders wichtig

Trotz durchaus Erfolg versprechender Projekte, sieht der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) in der Region weiterhin Nachholbedarf auf vielen politischen Handlungsfeldern. Die Entwicklungen auf dem BWK-Areal, beim Science-Center oder beim Projekt Lesum-Park begrüßt der WIR als wichtige Beispiele für positive Strukturimpulse. Dennoch, so der WIR-Vorstand in einer Presseerklärung, habe Bremen-Nord weiterhin gravierende Standortprobleme. Die niedrige Zahl der Arbeitsplätze, der unterdurchschnittliche Besatz an Gewerbe- und Industrieflächen, die demografische Entwicklung sowie Defizite im Wohnungsbau werden beispielhaft vom WIR genannt. Für die kommende Legislaturperiode fordert der WIR deshalb für Bremen-Nord eine Intensivierung der strukturpolitischen Anstrengungen auf Basis eines Gesamtkonzeptes.

Bremen-Nord befindet sich nach wie vor in einer strukturellen Umbruchphase. Der vom Vulkan-Niedergang und der BWK-Schließung besonders gekennzeichnete Negativ-Trend bei den Arbeitsplätzen und der Einwohnerzahl konnte inzwischen zwar insgesamt abgeflacht  werden, dennoch bedarf es aus Sicht des WIR weiterer Anstrengungen, um den notwendigen Umbruch in eine nachhaltig positive Entwicklung zu erreichen.

In diesem Zusammenhang begrüßt der WIR die von Bürgermeister Böhrnsen für die kommende Legislaturperiode vorgeschlagene Ernennung eines Senatsbeauftragten für Bremen-Nord.  Ein solcher Beauftragter müsse gemeinsam mit dem Rathaus-Arbeitskreis einen wesentlichen Beitrag zur Verstärkung der positiven Ansätze und der gesamten Bemühungen um Strukturverbesserungen in Bremen-Nord leisten. Dabei sind die Handlungsschwerpunkte für den WIR klar:

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse pro 100 Einwohner ist in Bremen-Nord mit 19,2 deutlich unterentwickelt (Bremen-Stadt: 49,4 / Bremerhaven:42,4). Gut acht Prozent seiner Einwohner hat Bremen-Nord zwischen 1995 und 2013 verloren. Seit 2011 verläuft die Verlustkurve zwar schwächer, dennoch liegt sie klar über dem Einwohnerverlust der Stadt Bremen, der im gleichen Zeitraum 0,1 Prozent beträgt. Gravierend sind die Einwohnerverluste mit 12,3 Prozent im Stadtteil Blumenthal.

Neue Arbeitsplätze und Wohnungsangebote notwendig

Besondere Aufmerksamkeit lenkt der WIR auf die Entwicklung des Durchschnittsalters, das in Bremen-Nord schneller gestiegen ist als in der Gesamtstadt. Insbesondere die Zahl der jüngeren Frauen und Männer zwischen 15 und 45 ist mit 22 Prozent stark zurückgegangen. Aus Sicht des WIR gilt es, diesen Trend umzukehren. Dazu seien neue Arbeitsplätze und attraktive Wohnangebote notwendig. „Die derzeitigen Wohnungsbauprojekte reichen nicht aus, um junge Familien in unsere Region zu bringen“, betont Vorstandsmitglied Rainer Frankenberg. In diesem Zusammenhang bezweifelt der WIR die Tragfähigkeit des GEWOS Wohnungsbaugutachtens und demzufolge auch die daraus für Bremen-Nord gezogenen Schlüsse. Während man in dem Gutachten einerseits lesen könne, dass „das Wachstum der Stadt maßgeblich von der zukünftigen Neubautätigkeit abhängt“, werde Bremen-Nord offensichtlich von dieser Sichtweise ausgenommen.

Die in Bremen neu entstandenen Wohnquartiere wie beispielsweise Borgfeld, Stadtwerder und Überseestadt beweisen aus Sicht des WIR ihre Anziehungskraft und Entwicklungsqualitäten, während man sich in Bremen-Nord zu oft mit Baulücken begnüge und die wenigen Bebauungspläne entweder ganz fallen lasse oder nur schleppend voranbringe. „Vor diesem Hintergrund können wir es uns in Bremen-Nord schon gar nicht leisten, dass Investoren wie beim Hartmannstift oder beim Bahnhof Blumenthal ganz abspringen“, so WIR-Vorstand Rainer Küchen. Die Wohnungsbaupolitik benötige deshalb eine Ausrichtung, die sich an einem qualitativen Wachstum orientiere. Die kürzlich von der Bauamtsleitung in die Diskussion gebrachte Strategie der „qualitativen Schrumpfung“ hält der WIR dagegen für falsch.

Themenvielfalt erfordert Gesamtkonzept

Neben den Themen Arbeitsplätze, Unternehmensansiedlung und Wohnungsbau verweist der WIR auf weitere aktuelle Standortthemen wie Verkehrsinfrastruktur, Gesundheitswirtschaft, Tourismus, Einzelhandel, innere Sicherheit und soziale Brennpunkte wie die Grohner Düne. Die Vielfalt der Themen und die zwischen ihnen bestehenden Zusammenhänge machen nach Einschätzung des WIR deutlich, dass es um eine sehr komplexe Problemsituation des Standortes Bremen-Nord geht.

Vor dem Hintergrund dieser Themenvielfalt, die den Standort prägt, fordert der WIR erneut ein Gesamtkonzept, mit dem die verschiedenen Einzelthemen verbunden werden. Der WIR sieht sich mit dieser Forderung nach einer gesamtstrategischen Ausrichtung einer Meinung mit der Handelskammer Bremen, die gleiches fordert. „Letztlich muss aus einem solchen Gesamtkonzept das künftige Standortprofil erkennbar werden, mit dem sich Bremen-Nord im Standortwettbewerb behauptet“, so WIR-Sprecher Bernhard Wies. Ziel muss es aus Sicht des WIR sein, Bremen-Nord im Wettbewerb um ansiedlungswillige Betriebe, um Neubürger, um Touristen und um Kaufkraft für die Geschäfte der Region erfolgreicher als bisher zu positionieren.