Wohnungsbau wird Landschaftsschutz geopfert / Strategie des Schrumpfens wird weiter fortgesetzt / GEWOSIE will künftig mehr Projekte im Umland angehen

Der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) hat sich seit längerer Zeit in vielen Gesprächen bei Bürgermeister Böhrnsen und dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr für verstärkte Anstrengungen zur Steigerung des Wohnungsbaus in Bremen-Nord eingesetzt. Auch bei den Sitzungen des Rathaus-Arbeitskreises stand dieses Thema immer im Mittelpunkt. Es gab viele Versprechungen, den Wohnungsbau voranzubringen. Hintergrund: Der Bevölkerungsrückgang und die Überalterung in Bremen-Nord halten an. Gleichzeitig ist das Bauen und Wohnen im Norden Bremens vergleichsweise günstig während die Zinsen unverändert niedrig sind. Gute Gründe und günstige Rahmenbedingungen also, Neubürger und besonders junge Familien in die Region zu bringen. 

Aus aktuellem Anlass hat sich der Vorstand des WIR erneut mit diesem Thema befasst. Er musste mit Erschrecken als erste Festlegung aus den Koalitionsverhandlungen in der Presse lesen, dass man die Wohnungsbaupläne für den Bereich am Steending („Binnendüne“) zu Gunsten des Naturschutzes endgültig aufgeben will. Aus weiteren Informationen war dann zu erfahren, dass „nur“ der Landschaftsschutz gemeint sei und man sich über einen kleinen Randstreifen noch uneinig sei.

Rainer Küchen, WIR-Vorsitzender: „Wir halten diese einseitige Festlegung aus verschiedenen Gründen für falsch.“ Zunächst einmal könne diese Fläche von ihrer Qualität her für eine derartige Maßnahme nicht sehr geeignet sein, weil hier seit vielen Jahren immer wieder eine intensive landwirtschaftliche Nutzung für die Maisproduktion stattfand und weil zum anderen die unmittelbare Nachbarschaft zum Wohnen und zu einer Geflügelhaltung gegeben sei.  Zum weiteren gebe es keinen Zusammenhang zu anderen Naturflächen sondern zu Landwirtschaft, zum Golfplatz und  zu Wohnsiedlungen. Daher ist auch die Aussage „vielfältiges Biotop“ durchaus zu bezweifeln.

Dieses Gebiet ist hingegen durch seine Lage in Nachbarschaft zu den Einfamilienhausgebieten besonders gut für eine Arrondierung der bereits vorhandenen Wohnnutzung geeignet. Dabei könnten selbstverständlich die vorgeschichtlich geprägten Flächen und die baumbestandenen Bereiche ausgespart werden, die sich gut für die wohnungsnahe Erholung eignen. Der WIR sieht darüber hinaus in Bremen Nord insgesamt eher einen Mangel an attraktiven Wohnangeboten für Neubürger als einen Mangel Grünflächen und Naturräumen. 

 

 


Es gebe die begründete Hoffnung, dass ein künftiges Wohngebiet an dieser Stelle wegen der Nähe zum Golfplatz und  zur Grünzone der Blumenthaler Aue sehr attraktiv und interessant für Bauwillige ist. Für den Stadtteil Blumenthal wäre eine Bebauung mit Einfamilienhäusern höchst willkommen, um junge Familien  hierher zu holen und die Alters- und Sozialstruktur im Raum Lüssum-Bockhorn zu verbessern.

GEWOSIE auf dem Rückzug

Im Übrigen müsse der WIR immer wieder festzustellen, dass  Wohnungsbau-Planungen in Bremen-Nord aufgegeben werden oder nur schleppend vorankommen. Ein weiteres Beispiel dafür sei das im Bereich eines rechtskräftigen Bebauungsplanes befindliche Projekt „Am Bodden Nord“, für das seit vielen Jahren aufgrund der Untätigkeit der Politik keine Erschließung zustande komme.

Dies sei umso unverständlicher, als es sich hier um bis zu 60 Bauplätze handele und ein Zuzug vieler Bremer Neubürger zu erwarten sei. Die dadurch dem Land Bremen zufließenden Mittel aus dem Länderfinanzausgleich von mehr als 3.000 EUR je Neubürger könnten die Erschließungskosten für das Baugebiet bereits weitgehend decken. Dennoch werde seitens der Politik nicht gehandelt.

Nach aktuellen Informationen des WIR  wird dies nun dazu führen, dass die in den letzten Jahrzehnten in Bremen-Nord als Großinvestor engagierte GEWOSIE Wohnungsbaugenossenschaft Bremen-Nord eG, die Eigentum im Bereich der Binnendüne und Am Bodden Nord unterhält, sich bei künftigen Bauprojekten in Richtung Schwanewede orientieren wird. Der WIR stellt dazu fest, dass damit ein weiterer großer Investor, aufgrund mangelnder Planungssicherheit und insgesamt unbefriedigender Zusammenarbeit mit der Politik und dem Bauressort, seinen Rückzug aus Bremen-Nord ankündigt.

In einer Presseerklärung des WIR heißt es dazu weiter „Die Strategie des Schrumpfens wird für Bremen-Nord offenbar auch in der neuen (alten) Koalition weiter fortgesetzt.“ Dies könne nicht im Interesse des Standortes Bremen-Nord sein, der für den Wohnungsbau und für alle anderen wichtigen Standortthemen ein schlüssiges Entwicklungskonzept für die Zukunft benötige, das die Potenziale der Region endlich insgesamt aufzeigt und nutzt.