Die vom Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) verliehene Auszeichnung geht in diesem Jahr an die Nehlsen GmbH & Co. KG mit ihrem Standort in Grohn.

Christoph Jendrek vom WIR-Vorstand lobte unter anderem die herausragenden unternehmerischen Leistungen der Firma in der Region.
Vor allem die Bodenhaftung des Leuchtturm-Unternehmens Nehlsen fasziniere ihn, so Jendrek weiter. Die Firma sei mit der Region Bremen-Nord besonders verbunden und fördere beispielsweise örtliche Sportvereine. Es sei der zehnköpfigen Jury, die Anfang November zusammenkam, nicht schwergefallen, Nehlsen zu nominieren.

„Der wirtschaftliche Strukturwandel in Bremen-Nord, mit dem zwischen 1970 und 2007 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Stadtteil Vegesack um 56 Prozent und im Stadtteil Blumenthal um 48 Prozent zurückging, sorgte für eine negative Prägung in der Wahrnehmung der Region. Es war also auch vor diesem Hintergrund wichtig herauszustellen, dass es im Bremer Norden nach wie vor erfolgreiche Unternehmen gibt, von denen einige in ihren Branchen sogar als Weltmarktführer gelten“, heißt es in der Begründung des WIR für die 14. Unternehmenspreisvergabe.
„Das Unternehmen kümmert sich vorbildlich um die Arbeitnehmer und die Region“, fuhr Jendrek fort. Auch die sieben für die Vergabe des seit 2002 ausgelobten Preises zu berücksichtigenden Kriterien erfülle Nehlsen in hervorragender Art, darunter die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen, die Vereinbarung von Familie und Beruf, der Imagebeitrag für die Region, Innovation und Unternehmensentwicklung wie auch die Frauenquote. Worüber sich insbesondere die Bremer Frauenbeauftragte Ulrike Hauffe, Mitglied der Jury, gefreut habe. So befinden sich Frauen in verschiedenen Führungspositionen, unter anderem eine Mitarbeiterin auf einem der drei Posten im Führungsteam der Nehlsen AG. Alles ohne Quotenzwang, die richtige Qualifikation vorausgesetzt, ergänzte Hans-Dieter Wilcken, Geschäftsführer des Unternehmens.
Gegründet wurde das Unternehmen 1923 von Karl Nehlsen als Fuhrbetrieb, „zwei Straßen weiter in der Wilhelm-Böse-Straße“, erzählte Peter Hoffmeyer, Vorstandsvorsitzender der Nehlsen AG, der das Unternehmen von seinem Vater Dieter Nehlsen übernahm und heute in dritter Generation leitet. Auch mehr als 90 Jahre nach der Firmengründung ist das Speditionsgeschäft Teil des Unternehmens. Von den mehr als 4000 Beschäftigten an rund 60 Standorten in Europa und Afrika arbeiten rund 2500 Mitarbeiter in der Sparte Entsorgung und rund 2000 bei dem vor 15 Jahren neu hinzugekommenen Dienstleistungsunternehmen Elko. Der Hauptsitz der Nehlsen AG wurde 2010 an die Konsul-Smidt-Straße in der Überseestadt verlegt. In Grohn sind heute noch etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung beschäftigt.
Schwerpunkt des Geschäftes ist laut Hoffmeyer nach wie vor die Müllerabfuhr – 40 Prozent entfallen auf die Entsorgung des Hausmülls – sowie die Aufbereitung der Abfälle und Rückführung in die Industrie. „Aus Schiete Rosinen machen“, formulierte es Peter Hoffmeyer schmunzelnd.
Bei der Entsorgung kümmert sich das Unternehmen von A wie Abwasser über G wie gefährliche Abfälle bis V wie Verpackungsabfälle um die Entsorgung in den unterschiedlichsten Bereichen. Der Umsatz bei der Weiterverwertung von Rohstoffen liegt nach Angaben der Firmenleitung bei 20 Prozent, dabei könne etwa ein Drittel des gesammelten Mülls weiterverwertet werden.
Für 2016 erwartet Peter Hoffmeyer eine Änderung des Wertstoffgesetzes. „Die Zeichen stehen auf Veränderung, auf die wir uns, unabhängig von dem Ausschreibungsergebnissen, schon heute vorbereiten“, erläuterte er jüngst in einem Interview des Unternehmensmagazins der Nehlsen AG. „Unser Ziel ist eine marktführende Position im Bereich der Gewerbe- und Industrieentsorgung. Dabei liegt unser Fokus auf dem Recycling von Abfällen und Wertstoffen“, heißt es darin weiter.
Die erwartete Änderung, so Peter Hoffmeyer, bedeute eine Erhöhung der Recyclingquote. Es ginge letztendlich um die Reinheit des zu recycelnden Materials. „Wenn man der Industrie hochwertiges Material zukommen lassen will, muss man es entsprechend aufbereiten.“ Es sei aber nach wie vor schwer für die Bürger zu erkennen, welcher Abfall in welche Tonne gehöre.
(Quelle: Die Norddeutsche, Doris Friedrichs)