Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord stärkt die Arbeit der Ausschüsse - Von Martin Thies/BLV

Der Wirtschafts- und Strukturrat Bremen-Nord (WIR) verzeichnet gegenwärtig 297 Mitglieder. Da in der Hauptversammlung auch interessierte Gäste begrüßt werden konnten, blieb es ein offenes Geheimnis, ob an diesem Abend die imaginäre Schallgrenze von 300 in der „Strandlust“ Vegesack übertroffen wurde.
In seinem Rechenschaftsbericht bewertete Rainer Küchen die jüngste Entwicklung Bremen-Nords negativ. „Die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sind nicht signifikant gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt mit aktuell 12,3 Prozent höher als in Bremen gesamt und nachhaltig über dem Bundesdurchschnitt.“ Auch die politische Interessenvertretung falle nachteilig aus. Die Anzahl der Abgeordneten falle unter die 10-Prozent-Marke, während die Bevölkerungszahl ein Fünftel im Gesamten ausmache.

Küchen bezeichnete es als wichtigstes Ziel, „dass neue Arbeitsplätze in Bremen-Nord geschaffen werden“. Positiv bewertete der Vorsitzende die Arbeit von Martin Prange, Beauftragter aus der Statskanzlei für Bremen-Nord. Er setzte sich nachhaltig für Bremen-Norder Interessen ein. Es sei zugleich ein Wandel zu einer intensiven Zusammenarbeit mit den senatorischen Dienststellen festzustellen.
Jeweils zwei Gesprächsrunden fanden sowohl mit Bürgermeister Carsten Sieling als auch mit Bausenator Joachim Lohse statt. Als vertrauensvoll bewertete Küchen die Zusammenarbeit mit Klaus Sondergeld aus dem Hause der Wirtschaftsförderung. Eine große Bedeutung bemisst WIR den Arbeitsausschüssen zu.
Im Einzelnen wurden die Themenfelder vorgetragen, die sich mit der hiesigen ‚Region, der Schaffung von Arbeitsplätzen, Ausbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, Marketing- und Tourismusfragen sowie Impulse für Stadteinwicklung, Umwelt- und Verkehrsfragen beschäftigen. Einstimmig wurde dem Vorstand Entlastung erteilt.
Nachdem Christoph Jendrek einen ausgeglichenen Kassenbericht vorgelegt hatte, konnten die Wahlen zum Vorstand zügig per Vorschlagsliste abgeschlossen werden. Gastreferent Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer Bremen, stellte das Thema „Perspektiven für Bremen-Nord“ in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Schon eine Studie der Arbeitnehmerkammer im Jahr 1964 bescheinigt der Region ‚“ein gewisses Eigenleben“. Der Norden hätte traditionell ein eigenständiges wirtschaftliches Profil. Künftig müssen verstärkt Einwohnerzahlen und Arbeitsplätze angeglichen und damit das Wohnen und Arbeiten ausgewogen werden.
Jeder vierte Arbeitnehmer sei Pendler. Gegenwärtig kämen in Bremen-Nord auf 100 Einwohner 19 Arbeitsplätze, in Bremen-Stadt wären es mit 54 mehr als doppelt so viel. Der Abwärtstrend der Einwohner konnte ab 2013 gestoppt werden. Schierenbeck forderte weitere neue Konzepte, auch wenn schon eine Menge an Vorschlägen existiere. Dazu zähle ein Masterplan zur Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze in der hiesigen Region. Schierenbeck favorisierte in seinen Ausführungen Industrie und verschiedene Dienstleistungsbetriebe wie Architekten- und Ingenieurbüros sowie Medienhäuser. Das wäre ein deutlicher Gewinn, der zusätzliche Vollzeitstellen mit guten Löhnen mit sich brächte.