Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und VerbraucherschutzHerausforderungen und Chancen für Klein- und Mittelständische Betriebe in Bremen-Nord 

Gesunde und motivierte Mitarbeiter sind für den Unternehmenserfolg unerlässlich. Der demographische Wandel und eine älter werdende Belegschaft stellen neue Herausforderungen an die Unternehmen. Um Beschäftigte möglichst lange körperlich und geistig fit an ihrem Arbeitsplatz zu halten, wird das betriebliche Gesundheitsmanagement immer wichtiger. Während große Unternehmen, wie z.B. die Sparkasse Bremen dabei oft Vorreiter sind, stellt die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements für kleine und mittlere Betriebe mit ihren begrenzten Ressourcen eine größere Herausforderung dar.  

Auf der Veranstaltung des Wirtschafts- und Strukturrates Bremen-Nord in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung Bremen und dem Unternehmerforum Bremen-Nord am letzten Montag mit bis zu 80 Besuchern stand das Thema im Mittelpunkt zahlreicher Vorträge. Kai-Ole Hausen von der Arbeitnehmerkammer führte durch den Abend.  „Warum sollten die Belastungen im Mittelstand andere sein als im Großunternehmen?“, fragt in diesem Zusammenhang Prof. Dr. Eva Quante-Brandt, Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz. Kleinere Betriebe profitierten häufig sogar stärker: „Je kleiner der Betrieb, desto schwerer wiegt der Ausfall eines Mitarbeiters.“ Ein weiteres Kernargument führt Prof. Dr. Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University Bremen, an: „Nicht zuletzt geht es bei einer gesunden Unternehmensführung ja auch um den Erhalt und die Steigerung von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit.“ Hierbei verwies sie auf zahlreiche Studien, die belegen, dass sich die Investition in die Förderung und den Erhalt der Gesundheit der Beschäftigten lohnt und einen ROI (Return on Investment) von bis zu 1:12 ausweist.  
Alle Referenten wiesen in ihren Beiträgen darauf hin, wie wichtig es sei, das betriebliche Gesundheitsmanagement strategisch in ihre Personal- und Organisationsentwicklung zu verankern. Wilfrid Sondag, Prozessbegleiter für betriebliches Gesundheitsmanagement von der Initiative für gesunde Lösungen in Unternehmen – IGLU -  meint dazu: „Es ist gut, dass Gesundheit ein Thema ist, das langsam auch im Mittelstand ankommt. Doch es muss hinausgehen über den Fitness- oder Yogakurs, der einmal pro Woche angeboten wird.“ Und „es ist oft ein Aktionismus aus vielen Einzelmaß-nahmen - strategisches BGM geht anders.“      
Wie also gelangt man als Unternehmer in Bremen-Nord zu einer BGM-Strategie, die diesen Namen verdient? Gleich mehrere Referenten betonten in ihren Beiträgen, dass dabei in erster Linie der Geschäftsleitung sowie den Führungskräften eine zentrale (Vorbild-)Rolle zukommt, das Thema im Unternehmen anzustoßen und unter der aktiven Beteiligung der Beschäftigten nachhaltig zu verankern. In diesem Zusammenhang beschrieb Frau Silvia Kaiser, Präventionsberaterin der Techniker Krankenkasse in ihrem Vortrag noch einmal die Fördermöglichkeiten nach dem neuen Präventionsgesetz.   
Vor Schnellschüssen und Ungeduld warnte in diesem Zusammenhang Barbara Reuhl, Referenten der Arbeitnehmerkammer für Arbeitsschutz und Gesundheitspolitik: „es dauert zwei bis drei Jahre, bis ein strategisches BGM im Unternehmen implementiert ist“. TK-Experte Stefan Bartels stimmt zu: „BGM gelingt nur als strategischer Prozess, der dauerhaft ist. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die dafür sorgen, dass das Thema nach der ersten Welle nicht gleich wieder versickert.“ Dem konnte auch Geschäftsführer der HBH Logistics GmbH aus Stuhr, Jörg Himmalai zustimmen: „Wir sind ein Unternehmen mit 12 MA und praktizieren seit über 5 Jahren Betriebliches Gesundheitsmanagement. Es ging Schritt für Schritt voran, mittlerweile ist es Teil unserer Unternehmenskultur geworden.“  
Trotz aller Erfahrungen und gut gemeinter Konzepte betonte Herr Blome vom BVMW aber noch einmal: „Auch wenn sich der Mittelstand immer mehr auf den Weg macht, Gesundheit im Unternehmensalltag zu verankern – so hat doch noch immer über die Hälfte der befragten Unternehmen (57,1 Prozent) keine klare Zielvorstellung zum Thema Gesundheit entwickelt. Es ist also noch Luft nach oben.“  
Diese Aussage griff  Wilfrid Sondag von IGLU zum Abschluss  gerne auf und stellte fest: „Wir haben heute Abend gesehen: Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem“. Elfriede Dieke, vom geschäftsführenden Vorstand des WIR schloss sich dem an und lud in ihrer Abschlussrede gleich alle Unternehmer, die die Arbeitsfähigkeit ihrer Beschäftigten fördern und erhalten wollen, die einem offenen Austausch gegenüber aufgeschlossen sind und auch mal hin und wieder den Blick über den Tellerrand ihrer eigenen Branche wagen wollen ein, an der am 28.06. um 18 Uhr in der Strandlust stattfindenden KMUNetzwerkgründung „Betriebliches Gesundheitsmanage-ment Bremen-Nord“ teilzunehmen. Für Nachfragen ist Frau Dieke unter der Nummer 0176-95562681 zu erreichen.